Perücke färben – geht das, und wenn ja wie?

Die Perücke sitzt, die Frisur gefällt – aber die Farbe ist nicht ganz das, was du dir vorgestellt hast. Oder du trägst deinen Haarersatz schon eine Weile und hast Lust auf eine Veränderung. Dann liegt der Gedanke nahe: Kann ich meine Perücke einfach färben? Die Antwort hängt ganz davon ab, aus welchem Material deine Perücke besteht. Denn Echthaar, Kunsthaar und Mischhaar verhalten sich beim Färben völlig unterschiedlich – und was beim eigenen Haar routine ist, kann bei einer Perücke das Produkt ruinieren. In diesem Beitrag erklären wir, was möglich ist, wo die Grenzen liegen und warum die Farbe am besten schon bei der Auswahl stimmen sollte.

Kunsthaar: Färben ist nicht möglich

Fangen wir mit der klaren Aussage an: Kunsthaarperücken lassen sich nicht färben. Herkömmliche Haarfarben – egal ob permanente Colorationen, Tönungen oder Naturfarben – sind für menschliches Haar entwickelt. Sie funktionieren, indem sie die Schuppenschicht des Haares öffnen und Farbpigmente einlagern oder vorhandene Pigmente entziehen. Kunstfaser hat keine Schuppenschicht. Sie hat eine geschlossene, synthetische Oberfläche, an der Farbpigmente schlicht nicht haften und in die sie nicht eindringen können.

Auch Textilfarben oder andere Experimente, die man gelegentlich im Internet findet, sind keine empfehlenswerte Alternative. Das Ergebnis ist in den meisten Fällen fleckig und ungleichmäßig, die Faser wird angegriffen und die Perücke ist danach in der Regel nicht mehr tragbar. Die chemischen Bestandteile solcher Färbemittel können außerdem die Montur beschädigen – also das Grundgerüst der Perücke, das für Sitz und Halt verantwortlich ist.

Die gute Nachricht: Gerade bei Kunsthaar ist die Farbauswahl von Haus aus besonders groß. Da die Fasern in praktisch jeder Farbe hergestellt werden können, gibt es auch Nuancen, die im Echthaarbereich kaum realisierbar sind – etwa sehr helle, kühle Blondtöne, differenzierte Grauverläufe oder reines Weiß. Wer also eine bestimmte Farbe sucht, findet sie bei Kunsthaar häufig direkt im Sortiment, ohne dass eine nachträgliche Veränderung nötig wäre.

Echthaar: Möglich, aber mit Einschränkungen

Echthaarperücken lassen sich grundsätzlich färben – schließlich handelt es sich um menschliches Haar, das auf Farbbehandlungen reagiert wie das eigene Haar. Grundsätzlich. Denn in der Praxis gibt es einige Besonderheiten, die das Färben von Echthaar in einer Perücke deutlich anspruchsvoller machen als einen normalen Friseurbesuch.

Das beginnt mit der Vorgeschichte des Haares. Die meisten Echthaarperücken werden aus asiatischem Haar gefertigt. Dieses Haar ist von Natur aus dunkelbraun bis schwarz und deutlich dicker als durchschnittliches europäisches Haar. Um daraus hellere Farbtöne zu erzielen, wird es in aufwendigen Osmosebädern über Tage und Wochen gebleicht und anschließend mit Anilinfarben in die gewünschte Farbe gebracht. Das bedeutet: Wenn du eine Echthaarperücke in einem hellen Blondton oder einem warmen Braun kaufst, hat dieses Haar bereits eine intensive chemische Vorbehandlung hinter sich.

Jede weitere Farbbehandlung strapaziert das Haar zusätzlich. Und hier liegt der entscheidende Unterschied zum eigenen Haar: Dein eigenes Haar wächst nach. Es erneuert sich ständig von der Wurzel her, neue, unbehandelte Substanz schiebt sich nach. Die Haare in deiner Perücke tun das nicht. Was einmal geschädigt ist, bleibt geschädigt. Es gibt keinen Nachwuchs, der frische Substanz nachliefert. Deshalb muss jede Farbbehandlung an einer Perücke besonders schonend erfolgen – und besonders gut überlegt sein.

Was beim Färben von Echthaar zu beachten ist

Wenn du dich entscheidest, deine Echthaarperücke färben zu lassen, gibt es einige Punkte, die du kennen solltest.

Dunkler geht leichter als heller. Eine Perücke nachzudunkeln – also von einem helleren in einen dunkleren Ton zu bringen – ist das deutlich schonendere Verfahren. Die Farbpigmente lagern sich auf dem vorhandenen Ton an, ohne dass das Haar zusätzlich gebleicht werden muss. Das Risiko für Schäden ist vergleichsweise gering, und das Ergebnis lässt sich gut kontrollieren.

Aufhellen ist riskant. Wer eine dunklere Perücke heller färben möchte, muss dem Haar zunächst Pigmente entziehen – und das bedeutet Bleichen. Bei einem Haar, das ohnehin schon chemisch vorbehandelt wurde, kann das zu Trockenheit, Brüchigkeit und einem strohigen Griff führen. Im schlimmsten Fall bricht das Haar ab. Außerdem ist das Ergebnis bei asiatischem Haar schwer vorhersehbar: Die natürlichen Rottöne im dunklen Ausgangshaar lassen sich nie vollständig entfernen. Deshalb hat aufgehelltes Echthaar aus asiatischer Herkunft fast immer einen warmen Unterton. Sehr kühle, aschige Blondtöne oder reines Weiß sind auf diesem Weg kaum zu erreichen.

Silikonschicht vorher entfernen. Viele Trägerinnen pflegen ihre Echthaarperücke mit silikonhaltigen Produkten – und das ist auch richtig so, denn Silikon schützt die Haaroberfläche und hält die Feuchtigkeit im Haar. Allerdings bildet Silikon eine glatte Schutzschicht, die verhindert, dass sich Farbpigmente am Haar anlagern können. Vor einer Farbbehandlung muss diese Schicht daher entfernt werden – entweder mit einem stark reinigenden Shampoo oder einer Ultraschallbehandlung. Erst dann kann die Farbe gleichmäßig aufgenommen werden.

Pflege danach ist entscheidend. Nach dem Färben braucht das Haar intensive Pflege, um die verlorene Feuchtigkeit wieder anzulagern. Eine Kur mit hohem Feuchtigkeitsgehalt ist Pflicht. Anschließend kann die Silikonschicht durch eine entsprechende Kur wieder aufgebaut werden, um dem Haar Glanz und Schutz zurückzugeben. Dieser Pflegeschritt ist bei einer Perücke noch wichtiger als beim eigenen Haar, denn die in Form von Aminosäuren enthaltene natürliche Feuchtigkeit muss bestmöglich erhalten bleiben – Nachschub von der Wurzel gibt es nicht.

Mischhaar: Die komplizierteste Variante

Mischhaarperücken bestehen aus einer Mischung von Echthaar und hitzebeständiger Kunstfaser. Und genau das macht das Färben zur größten Herausforderung – denn die beiden Materialien reagieren auf Farbe völlig unterschiedlich.

Der Echthaaranteil nimmt die Farbe auf, der Kunstfaseranteil nicht. Das Ergebnis wäre ein ungleichmäßiges, fleckiges Farbbild, bei dem einzelne Strähnen die neue Farbe tragen und andere in der Ursprungsfarbe bleiben. Je nach Mischverhältnis und Farbunterschied kann das Ergebnis von dezent ungleichmäßig bis vollständig untragbar reichen.

Unsere klare Empfehlung: Mischhaarperücken sollten nicht gefärbt werden. Die Farbe muss hier von Anfang an stimmen. Und das ist in der Regel auch gut machbar, denn gerade Mischhaarsortimente bieten durch die Kombination aus echten und synthetischen Fasern eine breite Farbpalette – inklusive melierter Grautöne und differenzierter Blondnuancen, die im reinen Echthaarbereich schwer zu realisieren wären.

Warum die Farbe am besten von Anfang an stimmen sollte

Die ehrliche Empfehlung, die wir nach über 60 Jahren Erfahrung geben können: Investiere die Zeit lieber in die richtige Farbauswahl vor dem Kauf als in eine nachträgliche Korrektur. Eine Farbbehandlung an einer Perücke birgt immer ein Risiko – selbst wenn sie technisch möglich ist. Und das Ergebnis lässt sich nie so präzise vorhersagen wie bei einer Erstproduktion, bei der die Farbe unter kontrollierten Bedingungen auf das Haar gebracht wird.

Bei der Auswahl der richtigen Farbe helfen ein paar Überlegungen. Schick uns vorab ein Foto von dir – am besten bei Tageslicht – damit wir deinen Farbtyp gut einschätzen können. Bedenke, dass die Farbe auf einem Bildschirm oder in einer Produktfotografie immer etwas anders aussehen kann als in der Realität. Und sei offen für den Gedanken, dass eine leichte Abweichung von deiner gewohnten Haarfarbe nicht unbedingt ein Nachteil sein muss. Manche Kundinnen nutzen die Perücke bewusst für eine dezente Farbveränderung – ein etwas wärmerer oder kühlerer Ton, eine Nuance heller oder dunkler – und stellen fest, dass ihnen das neue Farbbild sogar besser steht.

Ein wichtiger Hinweis zu den Farbgrenzen bei Echthaar: Da asiatisches Haar von Natur aus sehr dunkle Rottöne enthält, die sich nicht vollständig entfernen lassen, haben Echthaarperücken in hellen Blondtönen fast immer einen leicht warmen Farbton. Sehr kühle, aschige Blondtöne oder reines Weiß sind im Echthaarbereich kaum realisierbar. Wer genau diese Töne sucht, ist mit Kunsthaar oder Mischhaar oft besser beraten, denn dort lassen sich solche Farben in der Produktion exakt herstellen.

Was ist mit Tönungen und temporären Farben? 

Tönungen sind schonender als permanente Colorationen, da sie die Schuppenschicht des Haares nicht öffnen, sondern die Farbpigmente nur auf der Oberfläche anlagern. Bei Echthaarperücken sind sie daher eine mildere Alternative, um dezente Farbveränderungen zu erzielen. Allerdings gelten auch hier die gleichen Einschränkungen: Aufhellen ist damit nicht möglich, und die Haltbarkeit ist begrenzt – nach einigen Wäschen ist die Farbe wieder draußen.

Für Kunsthaar und Mischhaar gilt dasselbe wie bei permanenten Farben: Tönungen haften nicht auf synthetischen Fasern. Auch sogenannte Farbsprays oder temporäre Haarkreiden, die man gelegentlich als Alternative findet, sind für Perücken nicht empfehlenswert. Sie können Rückstände auf der Montur hinterlassen, die Faser verkleben und das Produkt dauerhaft beeinträchtigen.

Im Zweifel: Frag vorher nach

Wenn du mit dem Gedanken spielst, deine Perücke farblich zu verändern, nimm vorher Kontakt zu uns auf. Wir können dir sagen, ob eine Farbbehandlung bei deinem konkreten Produkt sinnvoll und machbar ist – oder ob ein alternatives Modell in der gewünschten Farbe die bessere Lösung wäre. Manchmal ist der unkompliziertere Weg der richtige: ein neues Modell in der passenden Farbe, anstatt ein bestehendes Produkt einem Risiko auszusetzen.

Wir beraten dich gern – telefonisch unter 030 536 77 111 oder per WhatsApp. Und wenn du noch ganz am Anfang stehst und deine erste Perücke suchst: Nimm dir die Zeit für eine gute Farbberatung. Je besser die Farbe von Anfang an sitzt, desto weniger Gedanken musst du dir danach machen.

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